Das Haus in der Löwengasse

Das Haus in der LöwengasseDieser historische Roman von Petra Schier ist nicht im Mittelalter, sondern im 19. Jahrhundert angesiedelt. Für mich ist es der dritte Roman der Autorin, zuvor habe ich schon "Die Eifelgräfin" und "Die Gewürzhändlerin" gelesen.
Im Vergleich mit den anderen beiden Romanen ist dieser etwas schwächer. Mit der Protagonistin hatte ich ab und zu leichte Schwierigkeiten und auchobwohl der Roman über 300 Seiten hatfand ich manche Geschichte viel zu kurz erzählt und ich hätte mir mehr aus dem Leben in der Löwengasse gewünscht. Bestimmte Geschehnisse wurden nur kurz angesprochen und dann nicht weiter verfolgt. Ich fand diesen teilweise episodenhaften Charakter einfach Schade, weil ich gern mehr gelesen hätte!
Dennoch ist es aber ein sehr vergnüglicher Roman gewesen, super zu lesen und mit dem gleichen tollen Stil wie bereits in den anderen Romanen. Die Geschichte ist vergnüglich, die Charaktere sind gut gestaltet und nachvollziehbar. Die gesellschaftlichen Strukturen wurden auch in diesem Buch gut deutlich gemacht, wobei manche Konflikte durchaus noch mehr Würze hätten vertragen können.
Alles in allem aber ein netter Roman, kurzweilig, interessant und gut gemacht. Kurz und knapp: Der Weg einer starken jungen Frau in schwierigen Zeiten
Bewertung: 3 1/2 von 5 Sternen Pauline Schmitz kommt, nachdem sie ihre Stelle als Gouvernante in Bonn verloren hat, nach Köln. Dort findet sie eine Anstellung als Magd. Kurze Zeit später trifft sie auf den Textilfabrikanten Julius Reuter und wechselt in die Stellung der Gouvernante für seine beiden Kinder. Die beiden verlieben sich in einander. Doch plötzlich gerät Reuter in finanzielle Schwierigkeiten und Pauline muss sich entscheiden.
Pauline ist eine junge Frau, die selbst noch nicht weiß wo ihr Platz im Leben ist. Wegen den sexuellen Misshandlungen ihres Arbeitgebers in Bonn, verschließt sie sich und traut keinem Mann mehr über den Weg. Das alles erschwert natürlich Anfangs den Umgang mit Julius Reuter. Er selbst ist seit dem Selbstmord seiner Frau sehr verschlossen und zeigt sehr ungern seine Gefühle. Auch gegenüber seiner Kinder ist er eher distanziert und desinteressiert was dazu führt das diese außer Rand und Band geraten. Erst Paulines Zuneigung und Interesse an den Kindern schafft es das Verhältnis zwischen Vater und Kindern zu bessern.
Es war interessant zu beobachten wie sich die Charaktere mit der Zeit aufeinander einstellten und gewachsen sind. Aus Pauline wurde eine Selbstbewusste Frau die sich nicht scheute, ihrem Chef die Meinung zu sagen und seinen Haushalt und sein Leben total auf den Kopf zu stellen. Beim lesen sind mir die Charaktere, allen voran Pauline sehr ans Herz gewachsen und ich konnte viele ihrer Gedanken und Entscheidungen nachfühlen. Der Schreibstil ist locker mit der richtigen Portion Humor, allerdings mangelt es auch nicht an Gefühl.
Das Haus in der Löwengasse ist mein erstes Buch von Petra Schier auch wenn ich schon lange einmal eines ihrer Bücher lesen wollte. Ich kann es einfach nur jedem Empfehlen der gerne Mittelalter Romane liest. Inhalt:

Pauline Schmitz hat es nicht leicht. Nach dem Tod ihrer Eltern wurde sie von ihrem Onkel großgezogen, der jedoch starb bevor er sie verheiraten konnte. Um über die Runden zu kommen, nimmt sie eine Anstellung als Gouvernante an doch der Hausherr will weit mehr von ihr, als dass sie nur seine Kinder erzieht. Als die Hausherrin Wind davon bekommt, führt es zu einem Skandal und sie muss die Stadt verlassen.
In Köln scheint ihr das Glück wieder hold zu sein, denn sie wird als Magd eingestellt. Allerdings ist das Leben als Magd sehr hart und für ein Mädchen aus ehemals gutem Hause ist das ein ganz schöner Abstieg. Wie es der Zufall so will, erwischt Julius Reuther sie dabei, wie sie bei einem gesellschaftlichem Anlass seinen Sohn eine Standpauke hält. Begeistert von ihrem Umgang mit Kindern stellt er sie als Gouvernante ein. Alles scheint perfekt bis sich Pauline in Julius verliebt..

Charaktere:

Pauline Schmitz ist gerade Mitte zwanzig und hat mehr Erfahrung als so manche ältere Menschen. Nach dem Tod ihrer Eltern, lebte sie bei ihrem Onkel, der ihr Bildung gewährte, die sonst nur Männern zusteht. Ebenso wurde an ihren Manieren gefeilt und sie ist mehr als tugendhaft. Doch als auch ihren Onkel der Tod ereilte, musste sie sich einen Job als Gouvernante nehmen. Ihre guten Manieren kamen ihr sehr zupass doch die zu Anfang noch harmlosen Avancen ihres Arbeitgebers gipfelten in einen Skandal, der sie traumatisiert hat. Am Boden angekommen muss sie sich vor allem selbst davon überzeugen, dass sie stark genug ist, um weiterzuleben. Die folgende Anstellung als Magd hat ihr einen ganze neuen Blickwinkel verschafft, weil sie die harte Arbeit, die das Dienstpersonal verrichten muss, am eigenen Leib zu spüren bekommt. Die Arbeit wirkt desillusionierend und sie wird sich darüber im Klaren, wie wenig Frauen in ihrer Gesellschaft auf die Welt vorbereitet werden. Leider stellt sie ein Talent zur Schau, das sie immer wieder in scheinbar ausweglose Situationen bringt. Im Hause Reuther entdeckt sie ihr Selbstbewusstsein wieder und entwickelt sich von einem naiven Mädchen zu einer starken Frau, die keine Probleme hat, einem wütenden Mann Paroli zu bieten.

Julius Reuther hat eine ebenso bewegte Vergangenheit wie Pauline. In der Gesellschaft wird er als Emporkömmling bezeichnet, da sich seine Familie die Firma und den damit einhergehenden Status hart erarbeitet hat, anstatt von Geburt an zur Oberschicht zu gehören. Seine erste Ehe, aus der zwei Kinder hervorgingen, war arrangiert und kam beiden Familien zupass. Die Familie Reuther verfügte nun über ein ausreichendes Budget, um zu expandieren und die Familie seiner Frau konnte ihre Tochter verheiraten, die unter manischen Depressionen litt. Leider wusste Julius nichts davon und ist an seiner Ehe beinahe kaputt gegangen. Als seine Ex Selbstmord beging war das beinahe das gesellschaftliche Aus, aber Reuther ließ sich seinen inneren Aufruhr nicht anmerken und trug das augenscheinlich mit Fassung. Leider besteht seine Art der Verarbeitung darin, dass er sich in sich zurückzieht und eine Mauer aufgebaut hat, die jeden, einschließlich seiner Kinder auf Distanz hält.

Eigene Meinung:

"Das Haus in der Löwengasse" von Petra Schier ist ein historischer Roman, der ganz nach meinem Geschmack ist. Er skizziert drei wichtige Lebensabschnitte der Protagonistin, wobei einer mittels Erinnerungen und Träumen dargestellt wird. Die Geschichte wird von einem allwissenden Erzähler berichtet, wobei er zwischen Julius und Paulines Sicht hin und her wechselt. Die Handlung ist klar strukturiert, der Schreibstil flüssig und bildlich. Gefühle werden ebenso gut beschrieben wie das Aussehen der Charaktere und Orte, an denen das Geschehen stattfindet. Die Sprache ist sehr authentisch. So werden sowohl der Kölscher Dialekt, als auch eine zeitgemäße Wortwahl verwendet.

Generell liest sich der Roman gut. Er hat zwar nicht diesen typischen PageturnerEffekt, sodass die Seiten "dahin fliegen", aber das ist gar nicht schlimm, denn man sollte sich die Zeit nehmen, um vielleicht auch noch das ein oder andere zu lernen.

Zu Anfang hatte ich Schwierigkeiten, mich in die Figur von Pauline hinein zu versetzen. Sie war sowohl physisch als auch psychisch klein und schwach. Ziemlich zimperlich und total naiv. Doch sobald sie die Stelle als Gouvernante im Haus von Julius Reuther angenommen hat, wächst sie über sich hinaus. Parallel zur Entwicklung der Protagonisten, nimmt auch die Handlung an Fahrt auf.

Neben der Liebesgeschichte herrscht auch die Frage, wer Schuld am Niedergang der Firma Reuther ist. Man wird immer wieder auf eine falsche Fährte gelockt und bangt nebenher um das Liebensleben von Julius und Pauline.

Besonders gut gefallen hat mir dabei, dass sich der Mann zuerst verliebt hat und letztlich die Initiative ergriffen hat. Dass er die Leidenschaft aufbrachte, um alles für sie zu opfern und um sie zu kämpfen, wohingegen sie die Rationale war.

Die Gestaltung des Buches ist angepasst an den Inhalt. Auf dem Coversieht man einen Ausschnitt vom Haus in der Löwengasse, somit also passend zum Titel und der Geschichte. Die Farben sind klassisch für einen historischen Roman in erdigen Tönen gehalten.

Fazit:

Das Haus in der Löwengasse von Petra Schier ein klassischer historischer Roman, der eine Liebesgeschichte mit minimalen kriminalistischen Zügen vereint. Ganz klare Leseempfehlung!
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Das Buch spielt im 19. Jahrhundert und zwar im Jahre 1823 – Genau zwei Jahre nach dem Tod von Napoleon Bonaparte ;). Die Geschichte beginnt in Bonn, spielt aber den überwiegenden Teil in Köln.
Hauptprotagonistin ist die 23jährige Pauline Schmitz. Pauline ist in Bad Bertrich aufgewachsen. Ihre Eltern kamen bei einem Unfall ums Leben. Sie lebte bei ihrem Onkel, der Arzt war und ihr dementsprechend eine gute Bildung ermöglichte. Nach seinem Tod war Pauline als Waise auf sich allein gestellt. Von dem Vermögen Ihres Onkels hat sie nicht viel geerbt.

Pauline nahm daraufhin eine Anstellung als Gouvernante im Hause der Familie Buschner in Bonn auf. Sie war für die Erziehung und Bildung der Kinder verantwortlich. Als der Hausherr Pauline immer wieder bedrängte, sie sogar missbrauchte zog Pauline die Notbremse und wehrte sich. Dies zog Folgen nach sich. So stand sie mit einem Koffer, in welchem nur das Wichtigste verstaut war, auf der Straße. Ohne Empfehlungsschreiben und mit wenig Geld begab sich Pauline nach Köln. Aufgrund ihrer Situation konnte Pauline lediglich eine Anstellung als einfache Magd finden. Das Dienstpersonal hatte zu diesen Zeiten nicht viel zu lachen!

Dank des Kölner Textilfabrikanten Julius Reuther erhielt Pauline erneut eine Anstellung als Gouvernante… und nicht nur das. Er schenkte ihr auch sein Herz! Jedoch gab es finanzielle Schwierigkeiten in Julius‘ Fabrik. Eine Ehe mit einer Frau aus reichem Hause könnte seine Fabrik retten. Pauline und Julius stehen vor Entscheidungen, deren Konsequenzen riesige Kreise nach sich ziehen konnten.

Meine Meinung
Der Einstieg in die Geschichte ist Frau Schier gut gelungen. In den ersten knapp 100 Seiten erfährt der Leser, wer Pauline Schmitz ist und was ihr widerfuhr. Ab und an wurde auch schon über Herrn Reuther berichtet, so dass der Leser sich einen recht guten Überblick verschaffen kann. Die Geschichte wir aus der Perspektive des allwissenden Erzählers beschrieben.

Ab Kapitel 17 kommt die Handlung zunehmend in Fahrt. Sehr gut hat es mir gefallen, dass es zum Ende hin immer spannender wurde. Man hatte meist das Bedürfnis unbedingt weiter lesen zu wollen und erlaubte sich gern ein Kapitel mehr zu lesen, als es geplant war.

Pauline Schmitz war mir von Beginn an sehr sympathisch. Trotz der schlimmen Geschehnisse aus der Vergangenheit, gibt sie sich stark nach außen. Ihrer „niederen“ Stellung als Magd nimmt sie sich schnell an und entwickelt einen richtigen Ehrgeiz. In Momenten in denen sie allein ist merkt man, dass die Vergangenheit sehr an Pauline nagte. Auch ihre Alpträume machten ihr zu schaffen. Man konnte so erkennen, dass Pauline nicht dauerhaft allem gewachsen war. Allerdings konnte sie sich stets besinnen. Ihre Handlungen waren meist geprägt von Vernunft und Höflichkeit – wie es sich zur damaligen Zeit schickte. Manchmal agierte sie jedoch auch ein wenig naiv. Das konnte ich stellenweise nicht richtig nachvollziehen, aber es störte nicht!

Mit Julius Reuther wurde ich nicht so schnell warm. Er verhielt sich in meinen Augen zwar zeitgemäß, war aber oft schlecht gelaunt, teilweise cholerisch. Nach und nach konnte man hinter seine Fassade blicken. Dadurch schloss ich ihn bald in mein Herz.

Frieda Oppenheimer freundet sich im Laufe der Geschichte mit Pauline an. Zu Beginn konnte ich sie nicht einschätzen, habe sie eher neutral betrachtet. Am Ende konnte sie mit ihrer Sympathie punkten.

Generell waren die Gefühlswelten von Pauline und Julius sehr gut dargestellt. Ihre Gefühle sind stellenweise Achterbahn gefahren. Ich gesellte mich dazu und fieberte mit! Man konnte sich wirklich gut in die beiden hinein versetzen. Dies ließ die Geschichte authentisch wirken.

Historische Fakten und Begebenheiten hat man nur am Rande mitbekommen. In Anbetracht des Handlungsverlaufs war dies die perfekte Mischung.

Der Schreibstil von Petra Schier ist vorzüglich. Er zeichnet sich durch seine leichte Verständlichkeit und Einfachheit aus. Der Text verlor dadurch keinesfalls an Qualität. Flüssiges Lesen ist in diesem Buch garantiert.

Fazit
Der historische Roman „Das Haus in der Löwengasse“ ist auf jeden Fall eine Leseempfehlung. Mir persönlich gefallen diese Geschichten aus dem 19. Jahrhundert, weil es doch noch nicht all zu lang hinter uns liegt und die Gesellschaft sich langsam zum Modernen hin entwickelte. Da die Charaktere sowie ihre Emotionen toll dargestellt worden sind und die Handlung stetig an Spannung zunahm, hat mir das Lesen eine große Freude bereitet.

Leider konnte mich das Buch erst nach 100 Seiten in seinen Bann ziehen. Die große Euphorie, welche viele Leser in der Leserunde für das Buch entwickelten, konnte ich nicht in diesem Umfang teilen. Deshalb gibt es einen Punkt Abzug.
Der erste Satz: „Kalt. Das war die erste Empfindung, die Pauline wahrnahm.“

Das Äußere: Ganz im Gegensatz zu den bisher bekannten historischen Romanen wirkt das Cover hier zwar geheimnisvoll, aber verhältnismäßig modern. Es zeigt eine Straßenlaterne, ein schmiedeeisernes Tor und eine Statue – im Hintergrund ist ein Haus zu sehen. Dieses Cover schafft in meinen Augen eine etwas unheimliche Atmosphäre, die im Buch aber gar nicht anzutreffen war.

Das Innere: Pauline Schmitz verdient sich ihren Lebensunterhalt als Gouvernante – doch ihr Arbeitgeber möchte mehr von ihr, so dass sie gezwungen ist, woanders neu anzufangen. Fremd in Köln und ohne Referenzen, bleibt ihr zunächst nichts anderes übrig, als eine Stellung als Dienstmagd anzunehmen. Glücklicherweise wird der Textilfabrikant Julius Reuther auf sie und ihr Geschick im Umgang mit Kindern aufmerksam, und er holt sie als Gouvernante für seine Kinder zu sich. Julius fühlt sich mehr und mehr zu Pauline hingezogen – doch seine finanzielle Situation macht eine reiche Heirat erforderlich. Wird Pauline im Haus in der Löwengasse ihr Glück finden oder muss sie sich erneut auf den Weg in die Fremde machen?

Das Wesentliche: Nachdem Petra Schiers übrige historische Romane im Mittelalter angesiedelt sind, ist dieser Roman der erste, der im 19. Jahrhundert spielt. Auch hier merkt man dem Roman an, dass die Autorin viel Zeit darauf verwendet, Lebenssituationen exakt und detailgetreu zu beschreiben.

Paulines erste Anstellung in Köln im Hause der Familie Stein ist kein Zuckerschlecken. Früh morgens ist sie auf den Beinen, ihre Herrschaft schert sich kein Stück darum, dass sie nach einem langen Tag auch mal eine Pause braucht, und dann hat sie noch nicht einmal eine eigene Kammer zum Zurückziehen. Eindrucksvoll schildert Petra Schier die langen, schweren Arbeitstage im Hause der Steins. Als Leser sehnt man sich schnell einen besseren Job für Pauline herbei, und an diesen gelangt Pauline denn auch per Zufall: Julius Reuther beobachtet sie dabei, wie sie seinen Sohn Peter im Hause der Steins zurechtweist. Da Reuther die Erziehung seiner beiden Kinder ohnehin über den Kopf gewachsen ist, ist er nur allzu gerne bereit, Pauline als Gouvernante in sein Haus zu holen.

Von da an wird das Buch noch in einer weiteren Hinsicht spannend: Ich liebe die Art und Weise, wie Petra Schier die langsame Annäherung zwischen ihren Protagonisten beschreibt. Hier wird nicht mit der Tür ins Haus gefallen, sondern behutsam und zwischen den Zeilen angedeutet, wie sich ihre Charaktere langsam der Tatsache bewusst werden, dass da „mehr“ sein könnte. Definitiv ist das nicht kitschig, sondern einfach nur romantisch. Außerdem verursacht dieser Erzählstil bei mir dieses berühmte Ziehen in der Magengegend, was nur wenige andere Romane schaffen. Eigentlich kenne ich das eher von (Liebes)Filmen – Petra Schier schafft es aber, nur mit Worten ein solches romantisches Feeling zu verursachen. Da bin ich jedes Mal wieder richtig baff.

Interessant gemacht war übrigens auch die Situation, in die Pauline durch den Wechsel von der Magd zur Gouvernante gelangte. War sie kurz vorher noch arme Magd gewesen, ist sie nun auf einmal fast auf Augenhöhe mit ihrer ehemaligen Herrschaft – so kommt es auch zu einigen Begegnungen mit der ehemaligen Arbeitgeberin, Frau Stein, die es selbst gar nicht glauben kann, was sie da sieht. Ich habe mich richtig für Pauline mit gefreut!

Als einer meiner Lieblingscharaktere hat sich im Laufe des Romans Julius Mutter, Annette Reuther, entpuppt. Erscheint sie zu Beginn recht oberflächlich und mit Standesdünkel behaftet, so dreht sich dieser Eindruck im Laufe des Buches. Zum Vorschein kommt eine resolute ältere Dame, die das Herz auf dem richtigen Fleck hat und ihren Sohn mehr liebt, als es zu Beginn scheint.

Eine weitere Person mit einer überraschenden Entwicklung ist Frieda, die Tochter des Unternehmers Oppenheim. Dieser möchte nur allzu gern sein Unternehmen mit dem Julius‘ verschmelzen und sieht seine Tochter schon als Heiratskandidatin für Julius. Dennoch – oder gerade deswegen – wird sie parallel zu einer guten Freundin für Pauline, was für die eine oder andere überraschende Situation sorgt.

Das Fazit: Wieder ein faszinierender historischer Roman von Petra Schier, den ich in jeder Hinsicht empfehlen kann. Gut recherchierte Fakten aus der Vergangenheit gepaart mit einer fesselnden Story, bei der vor allem die Liebe nicht zu kurz kommt – toll!

Die Bewertung: Fünf von fünf Sternen
Inhalt:
Pauline Schmitz ist als Waise bei ihrem Onkel aufgewachsen, der dafür sorgte, dass sie eine umfassende Bildung erhielt.Allerdings gelang es ihm nicht, für eine ausreichend große Mitgift zu sorgen, da nach seinem Ableben ein anderer Verwandter das Geld einstrich. Sie selbst bekommt dank ihrer Kenntnisse eine Anstellung als Gouvernante in Bonn. Alles scheint zu stimmen, bis der Hausherr ihr hinterher steigt und sie schließlich von dessen Frau erwischt werden. Ehrlos und ohne Zeugnis macht sie sich auf nach Köln und ihr Leben steht an einem Scheideweg. Sie hat jedoch Glück und kommt bei einem Kaufmann als Magd unter, bei dem sie wenig später dem unnahbaren Textilfabrikanten Reuther über den Weg läuft. Dieser nimmt sie als Gouvernante für seine zwei Kinder, die ohne Mutter einiges an Erziehung missen lassen, ins Haus. Allerdings nimmt sie ihm das Versprechen ab, dass sie nichts von ihm zu befürchten haben. Froh über diese Chance stürzt sie sich in ihre Arbeit und beginnt Kinder und langsam aber sicher auch deren Vater zu erziehen.

Cover:
Ein sehr gelungenes Cover zeigt uns das Tor zum Haus in der Löwengasse. Das nebelige Wetter sorgt für eine geheimnisvolle Stimmung, die durch das dämmrige Licht unterstützt wird.
Auf der Rückseite und dem Buchrücken wird dieses Bild leider nur noch gespiegelt und nicht weitergeführt.
Wäre das Buch ein Hardcover, so hätte man durch strukturelles Hervorheben des Gitters noch für einen schönen zusätzlichen Effekt sorgen können.
Dank fehlender Personen in zeitgenössischer Kleidung kann man das Buch kaum als Historienroman einordnen, bzw. als Liebesroman, der im 19. Jahrhundert spielt, aber dafür wird die Positionierung in der Buchhandlung wohl sorgen.

Setting:
Der Roman spielt im Jahr 1823. Dies wird explizit im Buch leider nicht erwähnt, doch Petra Schier ist so nett, dies auf ihrer Webseite zu schreiben. Warum der Verlag die genaue zeitliche Einordnung scheut, wird wohl immer ein Geheimnis bleiben. In ihren bisherigen Romanen, die in weiter zurückliegenden Jahrhunderten angesiedelt sind, ist es Petra Schier schon gelungen auf beeindruckende Weise die Orte und Personen im Kopf des Lesers zum Leben zu erwecken. Genau dies ist diesmal auch wieder der Fall. Man meint auf den Straßen Kölns zu wandeln, Teil des Haushalts zu sein und mitzukriegen, wie schwer die Arbeit für alle Angestellten ist. Man kommt beim Silberputzen fast selbst ins Schwitzen, fühlt mit, wenn Holzscheite mehrere Stockwerke nach oben getragen werden, und meint sich selbst inmitten überfüllter Straßen während des Karnevalsumzuges zu befinden, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Charaktere.
Ebenfalls gelungen sind die Charaktere und ihre Zusammenstellung. Von den jüngsten Kindern bis hin zur mitfühlenden Großmutter, von der besten Freundin bis zum "Bösewicht" kann man ihr Verhalten nachvollziehen und mit ihnen leben, leiden und lieben.
Eine Anspielung auf eine andere Romanreihe von Petra Schier findet mit dem Apotheker Burka ebenfalls ihren Platz.

Geschichte:
Die Geschichte hat mich von der ersten Seite an gefesselt und ich hatte wirklich Mühe, das Buch aus der Hand zu legen. Sie ist sehr intelligent aufgebaut und sorgt immer wieder für Überraschungen. Auch handelt es sich zum Glück nicht um eine 08/15 Liebesgeschichte, wie es in dem Genre ja durchaus vorkommen mag, sondern bietet weitaus mehr. Petra Schier gelingt es, die Liebesgeschichte so schön in das historische Setting einzubauen, dass ein Gleichgewicht zwischen emotionalen Elementen und dem normalen Tagesablauf mit Festen, Veranstaltungen, Unterricht und Haushaltskram entsteht. Hinzu kommen Julius Reuthers Probleme mit seiner Firma, die für einiges an Spannung sorgen.
Ich habe mich besonders über die Beschreibung des Rosenmontag und die Festtagssitzung gefreut, die dann doch etwas anders abliefen, als heutzutage.

Fazit:
Wie Petra Schier ja auch schon nahelegt, ist das Buch nicht nur für die weibliche Leserschaft, sondern ohne Einschränkung auch für männliche Leser geeignet. Das Buch schafft die Balance zwischen historischer Handlung und mit Überraschungen gespickter Liebesgeschichte, die eine perfekte Einheit bilden, die für 350 Seiten Lesespaß sorgt. Das Buch fesselt und es fällt schwer, eine Pause beim Lesen einzulegen.
Alle, die schon ein Buch von der Autorin gelesen haben, sollten auf jeden Fall zugreifen. Für alle NeuFans ist es die ideale Gelegenheit Petra Schier für sich zu entdecken, da der Roman für sich alleine steht. In diesem Jahr habe ich nicht nur den historischen Roman für mich wiederentdeckt, sondern auch die Autorin Petra Schier. Das Haus in der Löwengasse ist bereits die vierte Geschichte, die ich dieses Jahr von ihr lesen durfte und ich bin immer wieder begeistert darüber, wie mich ihre Ideen beeindrucken und überraschen. In Das Haus in der Löwengasse wird die Geschichte einer jungen Frau dargestellt, die sich behaupten muss und dabei auch mit Konventionen hadert, die ihr ihr Leben erschweren. Ich war von Pauline vom ersten Moment an beeindruckt, weil sie niemals aufgibt und sich ihren Problemen stellt. Von Beginn an merkt man wie mutig sie ist und wie sehr sie die Geschehnisse zuvor beeinflusst haben. Es ist faszinierend, wie sie ihren Weg geht.

Das Haus in der Löwengasse spielt zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Zeit wird wunderbar in die Geschichte eingefügt, denn von den Kleidern bis hin zur Stadt Köln ist wieder alles detailgetreu beschrieben, ohne langatmig zu wirken. Man kann sich richtig in die Zeit hineinversetzen und dabei alles um sich herum vergessen. Ich mochte vor allem die Szenen, in denen es darum ging, was eine junge Frau alles können muss, weil man daran erkennt, wie groß die Veränderung zur Gegenwart ist.

Die Charaktere sind authentisch beschrieben und man kann direkt mit ihnen mitfühlen. Vor allem Pauline, aus deren Sicht die meiste Zeit erzählt wird, ist ein Charakter, der einem direkt ans Herz wächst. Nach dem Tod ihres Onkels ist sie völlig mittellos und muss sich mit einer Arbeit selbst versorgen. Dabei ist sie einem Arbeitgeber völlig ausgeliefert, bis sie die Möglichkeit bekommt, die Stadt und die Anstellung zu wechseln. Hier zeigt sich, wie abhängig Frauen damals noch von Männern waren und wie schwer es eine allein stehende Frau zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch hatte. Pauline hat nämlich eine umfassende Bildung genossen und könnte jedem Mann eine gute Ehefrau sein, weswegen sie von den anderen Bediensteten bei ihrer neuen Stelle gemieden wird. Erst als sie Gouvernante für Julius' Kinder wird, ändert sich ihr Leben wieder zum Besseren. Der Konflikt, der dann auftritt, ist wirklich zum verzweifeln. Man wünscht sich so sehr, dass Pauline glücklich wird, gerade weil sie schon so schlechte Erfahrungen sammeln musste. Ich habe bis zum Schluss mitgezittert und die Auflösung mit Spannung verfolgt.

Spannend bleibt es auch bis ganz zum Ende, an dem alle wichtigen Fragen geklärt werden. Doch der Roman ist auch erfrischend und direkt, denn die Dialoge zwischen Julius und Pauline sind sehr ansprechend. Ich mochte ihre Wortgefechte sehr und musste öfter mal schmunzeln. Auch Paulines Kontakte zu den Kindern sind einfach wunderbar zu lesen. Man hat dabei immer die Szene praktisch vor Augen und oft sind die Gespräche berührend, da auch ernste Themen angesprochen werden.

Bewertung
Mit den historischen Romanen von Petra Schier liegt man nie daneben, wenn man ganz in eine Geschichte eintauchen möchte. Auch Das Haus in der Löwengasse besticht durch plastische Charaktere und ein anschauliches Setting. Ich bin wieder einmal sehr begeistert und kann das Buch uneingeschränkt empfehlen. “Das Haus in der Löwengasse” – Als das Schicksal der Frauen in den Händen der Männer lag

Zum Inhalt

Anfang des 19. Jahrhunderts war es gang und gäbe, dass das Schicksal der Frauen in den Händen der Männer lag. Kam man aus gutem Hause, so war die Mitgift recht hoch, man konnte gut verheiratet werden und hatte im Grunde genommen ausgesorgt. Pauline Schmitz wurde herzlich von ihrem Onkel versorgt und genoß eine gute Bildung – was für Frauen der damaligen Zeit nicht selbstverständlich war. Doch als ihr Onkel plötzlich verstarb, steht sie mittellos da – denn nichts war für ihre Verheiratung und Zukunft geplant. Eine Anstellung als Gouvernante ist ihre Rettung. Die Arbeit mit den Kindern macht ihr große Freude, jedoch hält sie es dort nicht lange aus: Der Hausherr hat ein Auge auf sie geworfen und jeder denkt, sie hätte es provoziert und sich ihm an den Hals geworfen. Ohne den Leumund eine neue Anstellung zu finden wird schwer, doch Pauline gibt nicht auf und reist nach Köln. Durch einen Wink des Schicksals findet sie dort eine Anstellung als Magd. Die Arbeit ist kein Honigschlecken und als die Hausherrin sie noch als ihr persönliches “Mädchen für alles” auserkoren hat, findet Pauline keine ruhige Minute mehr. Eines Tages begegnet sie dem Textilfabrikanten Reuther und dieser erkennt ihre Fähigkeiten als Gouvernante – von da ab darf sie die Kinder des Witwers betreuen. Wer so lange unter einem Dach wohnt, der kann sich schlecht aus dem Weg gehen und irgendwann entdeckt Pauline ihre wahren Gefühle für Julius Reuther. Doch reicht Liebe allein aus oder entscheidet Julius sich für eine Ehe mit aussichtsreicher Mitgift, um seine Textilfabrik zu retten?

Mein Fazit

Petra Schier ist eine wahre Meisterin der gefühlvollen historischen Romane. Mit dem Hörbuch hat sie mir einen wundervollen Einblick in das Rheinland zur Zeit der Industriellen Revolution gezeigt. Wirtschaftliche Umbrüche, gesellschaftliche Abhängigkeiten und eine große Portion Gefühl machen “Das Haus in der Löwengasse” aus. Einzig an die Sprecherin musste ich mich einwenig gewöhnen.

Meine Bewertung – 4 von 5 Sterne

Mila Roth veröffentlicht die Autorin zum Teil verlagsunabhängig verschiedene Buchserien.
Sie lebt mit ihrem Mann und einem Deutschen Schäferhund in der Eifel.

Impressum: ❮EPUB❯ ✵ Das Haus in der Löwengasse Author Petra Schier – Uc0.info

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